Die Orgel an der Wand der Paulskirche mit digitalen Cartoon Elementen verziert, sodass sie ein lachendes Gesicht und Hände hat. Sie macht ein Peacezeichen.

Von einer Quasselbude zur Wiege der Demokratie

Hallo! Olga, die Orgel hier! Ich lass‘ wieder von mir hören! Das letzte Mal habe ich euch erzählt, wie die liberale Bewegung in Deutschland ihren Anklang- ähm, ich meine Anfang fand. Heute berichte ich, wie es weiterging und warum das für uns alle heute so wichtig ist!

Nach dem erbitterten Kampf um die Vormacht der deutschen Länder wollten die Revolutionäre nun einen idealen, freien Nationalstaat aufbauen. In einer großen Versammlung sollten unumstößliche Grundrechte und eine neue VerfassungÖffnet sich in einem neuen Fenster besprochen werden.

Am 18. Mai 1848 war es dann so weit: Rund 600 Abgeordnete aus allen Staaten des Deutschen Bundes fanden sich in Frankfurt am Main zusammen. Nicht nur lag unser heute hessisches Frankfurt super zentral. Es war auch eine der wenigen unabhängigen Städte im Deutschen Bund. Nun gab es aber ein Problem: Der vorgesehene Versammlungsraum, der Kaisersaal im Frankfurter Rathaus, war nicht groß genug. Und hier kommt endlich mein Zuhause ins Spiel! Wie gut, nämlich, dass es da noch meine wundervolle Paulskirche gab!

Eine Ausstellung hat das zum 175-jährigen Jubiläum der Paulskirche alles nachgebaut:

Die PLAYMOBIL-Ausstellung zum Paulskirchenjubiläum
Die Ausstellung besteht aus elf Dioramen, die aus 5.000 Figuren und 20.000 Einzelteilen gebaut worden sind.
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Warme Füße und hitzige Diskussionen

Tatsächlich war die Paulskirche der einzige Ort, der die 600 Abgeordneten unterbringen konnte. Und nicht nur das: Es gab in der Empore sogar Platz für zahlreiche Zuschauer, die der Versammlung beiwohnen wollten. Der weite, ei-förmige Saal und der Altar waren wie dafür geschaffen, um sich vor einem großen Publikum Gehör zu verschaffen. Es wird sogar noch besser. Als einer der wenigen ersten Gebäude in Deutschland gab es in der Paulskirche Kronleuchter mit Gasbeleuchtung und – haltet euch fest – Fußbodenheizung! Das war der Boden für hitzige Diskussionen …

Endlich denkt mal jemand an die Demokratie

Und die Diskussionen waren wahrlich nicht ohne: Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, gleiches Gesetz für alle, demokratische Wahlen … Was für euch heute selbstverständlich klingen mag, wurde damals zum ersten Mal zusammengetragen. Ein knappes Jahr lang wurde gestritten und diskutiert. So lange, dass die übrigen Bürgerinnen und Bürger die Versammlung sogar als „Quasselbude“ bezeichneten. Schließlich einigte man sich darauf, eine VerfassungÖffnet sich in einem neuen Fenster zu schreiben, in der die obere RegierungÖffnet sich in einem neuen Fenster immerzu vom Volk kontrolliert werden sollte – mithilfe eines frei von ihnen gewählten Reichtags. Kommt euch das bekannt vor? Richtig, das liegt schon nah dran am BundestagÖffnet sich in einem neuen Fenster, den wir heute haben.

Auch die Bürgerrechte, für die die Revolutionäre bis 1848 in den Kampf gezogen sind, finden wir heute fest verankert in unseren GrundrechtenÖffnet sich in einem neuen Fenster. Wir nennen die Paulskirche deshalb auch heute noch „die Wiege der DemokratieÖffnet sich in einem neuen Fenster“.

Die Frankfurter Paulskirchen-Orgel

175 Jahre Paulskirche

Einigkeit und Recht und Frankfurt

„Lass mich dir erzählen, was meine Paulskirche so einzigartig macht. Dafür muss ich aber kurz ausholen …" Olga, die Kirchenorgel, berichtet im ersten Artikel, wie alles begann.

„175 Jahre Paulskirche: Unsere Demokratie – Deine Freiheit“

Leider kam die neue Verfassung dann gar nicht zum Zuge. Obwohl sich 28 deutsche Staaten hinter die Nationalversammlung stellten und großen Druck ausübten, wurde das Parlament ein knappes Jahr später von Preußen mit militärischer Gewalt zerschlagen. Doch ihre Ideen sollten nicht sang- und klanglos untergehen. Der liberale Geist und der demokratische Gedanke blieben den deutschen Bürgerinnen und Bürgern weiterhin erhalten: In Form von Vereinen, Zeitungen und vielen anderen Gemeinschaften, die in jener Zeit gegründet wurden und von denen viele heute noch existieren. Auch die Parlamente und ein erster Entwurf der Grundrechte werden aufgehoben, womit sie noch heute unsere demokratische Regierung nachhaltig prägen.

Wenn viele Stimmen vereint werden, können sie Großes bewirken. Als Orgel weiß ich, wovon ich spreche! Die Nationalversammlung in der Paulskirche 1848 erlaubt es euch heute, eure Stimme ohne Bedenken zu nutzen. Sie setzte den Grundstein für unsere heutige Demokratie. Dank ihr genießen wir die Freiheit, gemeinsam unsere Gegenwart wie Zukunft bestimmen zu dürfen. Aus diesem Grund lautet das Motto der Landesregierung Hessen zum feierlichen 175. Jubiläum der Paulskirche auch „Unsere Demokratie – Deine Freiheit“.

Figuren aus der Playmobil-Ausstellung 175 Jahre Paulskirche

„Die Paulskirche ist ein Ort, der dafürsteht, dass unsere demokratischen Werte keine Selbstverständlichkeit sind, sondern jeden Tag aufs Neue erarbeitet und gelebt werden müssen“, so hat es unser Ministerpräsident, Boris Rhein, gesagt. Es war ein harter und langwieriger Kampf, bis diese Werte durchgesetzt werden konnten. Um diese Errungenschaft gebührend zu feiern, hat die Landesregierung HessenÖffnet sich in einem neuen Fenster ein klangtastisches Programm mit mehr als 100 Veranstaltungen zusammengetrommelt.

Meiner Meinung nach klingen diese beiden besonders spannend:

Zwischendurch freue ich mich natürlich auch über einen Besuch von euch in der Paulskirche! Vielleicht habt ihr ja Glück und ich spiele euch etwas vor…
Bis bald und man hört sich!

Eure Olga die Orgel
Paulskirche Frankfurt

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