Die Ressortverantwortlichen der Länder waren am Donnerstag und Freitag unter dem Vorsitz der Hessischen Jugend- und Sozialministerin Heike Hofmann und im Beisein von Bundesministerin Karin Prien in Frankfurt am Main zusammengekommen. Dabei wurde der Leitantrag „Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt stellen: Kompetenzen in einer digitalen Welt – Kompetenzen für Demokratie und Zukunft“ beraten und einstimmig beschlossen, der auch den Umgang mit Sozialen Medien in den Blick nimmt. Im Vorfeld der Konferenz hatten junge Menschen in verschiedenen Beteiligungsformaten den Wunsch nach entsprechender Partizipation deutlich gemacht. Darüber hinaus thematisierte die Konferenz unter anderem Fragen rund um das Qualitätsentwicklungsgesetz Kita und forderte Investitionen in die Kinder- und Jugendhilfe.
Karin Prien, Bundesfamilienministerin: „Im Mittelpunkt der Beschlüsse der Jugend- und Familienministerkonferenz standen Schutz und Hilfe für Kinder und Jugendliche. Bund und Länder tragen gemeinsam die Verantwortung für verlässliche und qualitativ hochwertige Angebote für Kinder und Jugendliche. Wir verstehen uns gemeinsam als Anwältinnen und Anwälte für die Belange der Kinder und Jugendlichen in unserem Land. Ich schätze sehr, dass wir da gemeinsam an einem Strang ziehen. Familien zu stärken und Bildung besser zu machen – das können wir in Deutschland nur gemeinsam machen, Bund und Länder zusammen. Deshalb will der Bund investieren in frühe Bildung, verbindliche Sprachförderung. Gemeinsam werben wir mit den Ländern für bundesweite Qualitätsstandards in unseren Kitas im Rahmen eines neuen Kita-Qualitätsentwicklungsgesetzes.“
Digitale Angebote prägen die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen
Heike Hofmann, hessische Jugend- und Sozialministerin und JFMK-Vorsitzende: „Digitale Angebote prägen die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen heute in erheblichem Maße. Angebote, die auch Chancen bieten – jedoch nur, wenn sie verantwortungsvoll genutzt werden und wenn klar ist, dass sie analoge Erfahrungsräume nicht ersetzen können. Die Voraussetzung für eine souveräne Nutzung ist Medienkompetenz. Zudem sind auch die Plattformbetreiber in der Pflicht, altersgerechte Schutzmaßnahmen auf Social-Media-Plattformen zu installieren. Wichtig ist für mich, dass wir junge Menschen an der Debatte beteiligen, mit ihnen reden und nicht über sie. Denn eine Regulierung der Rahmenbedingungen sozialer Plattformen ist nur dann auch wirksam, wenn junge Menschen selbst angemessen beteiligt werden. Auch beim Kita-Qualitätsgesetz haben wir hier bei der JFMK eine gemeinsame Grundhaltung gezeigt: Wir brauchen Investitionen für Kinder und Jugendliche. Wenn wir mit den vorhandenen Mitteln vor allem die sprachliche Bildung spürbar stärken, sind das Ausgaben, die den Kindern zugutekommen und die sich volkswirtschaftlich rechnen.“
Diana Stolz, hessische Familienministerin: „Wir brauchen in der digitalen Welt genauso Schutzräume wie in der analogen. Dort haben wir selbstverständlich Altersgrenzen etwa beim Alkohol, beim Autofahren oder bei bestimmten Filmen. Dieses Schutzprinzip sollte auch online gelten. Und wir brauchen Eltern, die mit ihren Kindern Regeln und feste Zeiten verabreden. Beides gehört zusammen. Ein Verbot allein schützt nicht, wenn Kinder keine Orientierung bekommen. Deswegen ist es mir wichtig, dass wir gezielt die digitalen Kompetenzen von Eltern mit Kindern stärken. Unser Ziel ist es, Eltern frühzeitig dabei zu unterstützen, ihre Kinder sicher und verantwortungsvoll in der digitalen Welt zu begleiten. Dazu gehört, Familien praxisnah zu Themen wie Mediennutzung, Datenschutz, Social Media, digitale Risiken sowie altersgerechte Medienerziehung zu beraten und Fachkräfte aus Familienbildung, Familienzentren und weiteren Einrichtungen zu qualifizieren.“
Zentrale Voraussetzungen für gesellschaftliche Teilhabe
Katharina Günther-Wünsch, Berliner Senatorin für Bildung, Jugend und Familie und Koordinatorin der CDU-geführten Bundesländer: „Medienkompetenz und demokratische Bildung sind heute zentrale Voraussetzungen für gesellschaftliche Teilhabe und ein selbstbestimmtes Leben. Kinder und Jugendliche müssen befähigt werden, Informationen kritisch einzuordnen, digitale Risiken zu erkennen und Verantwortung im demokratischen Miteinander zu übernehmen. Gerade in einer vielfältigen und dynamischen Metropole wie Berlin erleben wir täglich, wie wichtig Resilienz, Dialogfähigkeit und digitale Souveränität für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sind. Deshalb setzen wir in Berlin gezielt auf die Stärkung von Demokratiebildung, Medienbildung und digitaler Aufklärung – sowohl in Schulen als auch im Freizeit- und Jugendbereich, gemeinsam mit erfahrenen Projektträgern, Vereinen und Initiativen. Die Beschlüsse der Jugend- und Familienministerkonferenz setzen hier ein wichtiges gemeinsames Signal der Länder: Kinder und Jugendliche brauchen Orientierung, Schutz und Beteiligung, damit sie sicher, reflektiert und mit einem klaren Werteverständnis in der digitalen Welt aufwachsen können.“
Christine Streichert-Clivot, saarländische Ministerin für Bildung und Kultur sowie Koordinatorin der SPD-geführten Bundesländer: „Kinder und Jugendliche sind nicht nur Adressaten unserer Politik – sie sind da, sie haben eine Stimme, sie wollen mitgestalten: in Kita, Schule, Jugendhilfe und Demokratie, analog wie digital. Unsere Verantwortung ist es, sie ernst zu nehmen: mit echtem Schutz, echter Beteiligung und verlässlicher Bildung. Gerade der digitale Raum zeigt: Wir dürfen Verantwortung nicht bei Kindern abladen. Sie brauchen Medienkompetenz und Demokratiebildung – und zugleich klare Regeln, wirksamen Jugendschutz und Plattformanbieter, die in die Pflicht genommen werden. Der UNICEF-Bericht mahnt uns: Wir haben keine Zeit zu verlieren. Gute Teilhabe beginnt früh – mit Sprachförderung, starken Kitas und einem gelingenden Übergang in die Grundschule. Deshalb brauchen wir beim Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz jetzt Verlässlichkeit: gemeinsame Standards ja – aber auch eine Anschlussfinanzierung über 2026 hinaus.“
Reformansätze eng zwischen Bund und Ländern abstimmen
Den Konferenzvorsitz wird im kommenden Jahr Niedersachsen von Hessen übernehmen. „Ein wichtiges Signal der diesjährigen Konferenz ist das klare Bekenntnis, dass es in der Kinder- und Jugendhilfe keine Einsparungen zulasten der Angebote geben darf. Die Reformanstrengungen des Bundes sind notwendig, aber es gilt, diese so auszugestalten, dass die Kinder- und Jugendhilfe als ein zentraler Bestandteil des Sozialstaats erhalten bleibt und die Reformansätze eng zwischen Bund und Ländern abgestimmt werden. Wir bedanken uns beim diesjährigen Gastgeber Hessen und freuen uns im kommenden Jahr die JFMK als Vorsitzland durchzuführen“, erläuterte die niedersächsische Staatssekretärin Dr. Christine Arbogast für das kommende Gastgeberland.
„Ich bedanke mich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für den konstruktiven Austausch in den vergangenen beiden Tagen. Es war mir eine Freude und Ehre, sie als Gastgeberin hier in Frankfurt begrüßen zu dürfen. Und ich wünsche dem Land Niedersachsen alles Gute für den Vorsitz im kommenden Jahr“, sagte Hessens Ministerin Hofmann zum Abschluss der Konferenz.