Hessisches Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat

Mit der EU Natur schützen

Es bietet eine ungewöhnliche Perspektive: Das „Lahnfenster Hessen“ ist eine Unterwasserbeobachtungsstation an einer Fischaufstiegsanlage im Stadtzentrum von Gießen. Damit können Besucherinnen und Besucher einen Blick in den Fluss werfen.

Lesedauer:4 Minuten

Ein perfekter Ort, um sich bewusst zu machen, welcher Lebensraum sich unter Wasser verbirgt. Um über die Bedeutung intakter Flüsse und die Rolle der Europäischen Union zu reden, hat Staatssekretär Michael Ruhl heute im Rahmen der Europawochen 2024 Schülerinnen und Schüler der Gießener Alicenschule hier getroffen. 

Pilotprojekt bringt mehr Leben in den Fluss: ‚LiLa Living Lahn‘

Die EU spielt eine wichtige Rolle für den Schutz und die Renaturierung von Flüssen.

Am Beispiel der Lahn erläuterte Staatssekretär Ruhl, was Land und EU gemeinsam unternehmen, um den Zustand des Flusses aufzuwerten und Lebensräume für Tiere und Pflanzen wieder herzustellen. „Wasser ist lebenswichtig für Menschen, Tiere und Pflanzen. Deshalb muss es besonders geschützt werden“, so der Staatssekretär. Mit der EU-Wasserrahmenrichtlinie sollen die Flüsse wieder in einen guten ökologischen Zustand versetzt werden, damit sie ihren vielfältigen Ökosystemfunktionen wie Selbstreinigung, Erholung oder Trinkwasserquelle wieder erfüllen können. „Das ist ein ambitioniertes Ziel, denn unsere Gewässer brauchen bis dahin noch viel - selbst, wenn sie auf den ersten Blick natürlich ausschauen. Es ist wichtig, dass das Land Hessen bei dieser Aufgabe mit der EU Hand in Hand arbeitet,“ erklärte Staatssekretär Michael Ruhl.

Fischscanner gibt Auskunft über das Wanderverhalten der Fische in der Lahn

Mit Mitteln aus dem EU-LIFE-Projekt „LiLa Living Lahn“ wurden am Lahnfenster für Flussinteressierte ein „Touch-Kiosk“ und der sogenannte „Vaki-Counter“ installiert: Der „Touch-Kiosk“ ist ein digitales Informationssystem, mit dem man den „Lebensraum Lahn“ unabhängig von den Öffnungszeiten des Lahnfensters kennenlernen kann. Mit dem "Vaki-Counter" werden durchschwimmende Fische gescannt und aufzeichnet. So kann die Anzahl und Artenzusammensetzung der aufsteigenden Fische festgestellt werden. Filmsequenzen davon sind im Internet und auch im Touch-Kiosk auf der Aussichtsplattform neben vielen weiteren Informationen abrufbar. „Wir hoffen, eines Tages auch wieder Lachse hier beobachten zu können,“ so der Staatssekretär.

Hintergrund:

Das Projekt „LiLa Living Lahn“ wird gefördert durch das EU-Umweltförderprogramm LIFE und ist das erste deutsche integrierte LIFE-Projekt im Bereich Umwelt, mit dem 2015 begonnen wurde. Das Projekt läuft über einen Zeitraum von 10 Jahren und ist mit einem Projektbudget von rund 15,7 Millionen Euro ausgestattet, wobei der Förderanteil der EU dabei rund 8,5 Millionen Euro ausmacht, das Land Hessen beteiligt sich mit 3,5 Millionen Euro.

In dem LiLa Projekt werden rund 50 Einzelmaßnahmen mit Schwerpunkt auf die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie entlang der Bundeswasserstraße Lahn entwickelt und umgesetzt. Es werden sowohl planerische Maßnahmen wie die Entwicklung eines nachhaltigen Zukunftskonzepts für die Bundeswasserstraße Lahn einschließlich ihrer Ökosystemleistungen erarbeitet als auch operative Maßnahmen wie die Renaturierung der Gisselberger Spanne oder die Wiederansiedelung von Äsche und Nase innerhalb der Projektlaufzeit bis Ende 2025 umgesetzt. Das Projekt hat Pilotcharakter für die ökologische Aufwertung anderer Wasserstraßen und deren Auen, weil es in einem stark genutzten Flussgebiet mit komplexer Interessenslage einen breit gefächerten und miteinander verbundenen Maßnahmenmix vornimmt. Das Projekt wurde 2024 im Wettbewerb der UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen als TOP10 Projekt von 140 eingereichten Projekten ausgezeichnet.