Hessisches Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat

Gemeinsam die Afrikanische Schweinepest bekämpfen

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) breitet sich seit Juni 2025 in Nordrhein-Westfalen aus. Auch wenn es keinen positiven Fall in Nordhessen gibt, ist Hessen dennoch durch die Ausweisung von Sperrzonen infolge des Ausbruchsgeschehens in Nordrhein-Westfalen betroffen.

Das Hessische Landwirtschaftsministerium informierte deshalb gemeinsam mit den Landkreisen Waldeck-Frankenberg und Marburg-Biedenkopf am Dienstagabend in Battenberg über die aktuelle Lage und die erforderlichen Schutzmaßnahmen. „Die Bekämpfung der ASP kann nur gemeinsam gelingen. Wissen und Aufklärung können viel zur Verhinderung einer Ausbreitung der Tierseuche beitragen. Deshalb ist es uns wichtig, frühzeitig vor Ort zu sein und offene Fragen zu beantworten“, betonte Staatssekretär Michael Ruhl. Er warb dabei um Verständnis für die erforderlichen Maßnahmen: „Uns ist bewusst, dass Zäune oder zusätzliche Vorgaben im Alltag Aufwand bedeuten. Aber sie sind dringend erforderlich, um größeren Schaden abzuwenden.“

Rund 400 Jäger, Landwirte, Privatwaldbesitzer, Vertreter der Kommunen sowie interessierte Bürger nutzten die Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Experten aus dem Landwirtschaftsministerium und den beteiligten Landkreisen standen vor Ort Rede und Antwort und erläuterten die Hintergründe.

Fest installierter, wildschweinsicherer Schutzzaun

Ein fest installierter, wildschweinsicherer Schutzzaun parallel zu Teilen der Landesgrenze ist von zentraler Bedeutung für die Prävention. Dieser Zaun ist weitgehend fertiggestellt. Bislang noch offene Durchgänge sind derzeit provisorisch verschlossen und gesichert, bis die noch fehlenden Viehgitter eingebaut werden können. Es wird eindringlich appelliert, Tore und Durchlässe konsequent geschlossen zu halten. „Die Entscheidung, bereits im Sommer 2025 mit dem Bau dieses Festzauns zu beginnen, war eine vorsorgende Maßnahme, um auf ein mögliches Seuchengeschehen vorbereitet zu sein. Dieser frühzeitige Schritt hat sich als richtig erwiesen“, erklärte Ruhl. Der Festzaun hat eine Gesamtlänge von rund 60 Kilometern Er beginnt an der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen entlang der BAB 45 und verläuft bis Haiger. Ab Dillenburg führt die Trasse weitestgehend entlang der B253, mit kleineren Abschnitten entlang der L553, K115 sowie L3382, und anschließend weiter entlang der B236 bis zur Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen bei Bromskirchen.

Durch den präventiven Bau konnte gegenüber der Europäische Kommission nachvollziehbar dargelegt werden, dass der Festzaun eine geeignete Begrenzung darstellt. Die Sperrzone II musste daher höchstens bis zum Verlauf des Festzauns ausgedehnt werden. Eine weitergehende, großräumigere Ausweisung konnte durch das frühzeitige Handeln vermieden werden.

Klare Vorgaben für Jagd, Land- und Forstwirtschaft

In den eingerichteten Sperrzonen gelten klare Vorgaben für Jagd, Land- und Forstwirtschaft. Der Jägerschaft kommt insbesondere in der Sperrzone I eine entscheidende Rolle zu: Dort ist eine verstärkte Bejagung ausdrücklich Teil der Eindämmungsstrategie. „Neben dem Festzaun bleibt die konsequente Reduktion der Schwarzwildbestände ein wesentlicher Baustein der ASP-Prävention. Eine nachhaltige Senkung der Wildschweindichte verringert das Risiko einer Virusverbreitung deutlich. Mit jedem in der Sperrzone I erlegten Wildschwein leisten unsere Jägerinnen und Jäger einen unmittelbaren Beitrag zum Seuchenschutz. Für dieses Engagement bin ich dankbar“, so Ruhl.

Die Landkreise Marburg-Biedenkopf und Waldeck-Frankenberg haben angekündigt, eine Schwarzwildprämie auszuzahlen, von denen das Landwirtschaftsministerium die Hälfte trägt. Neben der Entnahme ist die Kadaversuche ein wichtiger Baustein, um schnell auf das Seuchengeschehen reagieren zu können. In Nordhessen wurden bisher 12.342 Hektar mit Drohne und 18.034 Hektar Fläche mit Hunden abgesucht.

Enge Zusammenarbeit mit HessenForst

Zugleich bedankte sich Staatssekretär Ruhl für die verlässliche Zusammenarbeit mit der Jägerschaft sowie bei Landwirten und Flächeneigentümern. Die Duldung von Kadaversuchen, Drohneneinsätzen oder Zaunmaßnahmen sei keine Selbstverständlichkeit. „Wir wissen, dass hier viel abverlangt wird. Umso mehr bedanken wir uns schon jetzt für die konstruktive und verantwortungsvolle Unterstützung“, so Ruhl.

Staatssekretär Ruhl hob zudem ausdrücklich die Rolle von HessenForst hervor: „Die enge und hochprofessionelle Zusammenarbeit ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor in der ASP-Bekämpfung.“ Insbesondere das Forstamt Frankenberg mit seinem Leiter Andreas Schmitt und seiner Mannschaft unterstütze die Maßnahmen von Beginn an schnell, engagiert und mit großer fachlicher Kompetenz. Die in Südhessen gewonnenen Erfahrungen hätten maßgeblich dazu beigetragen, Strukturen und Abläufe in Nordhessen effizient aufzubauen. „Ohne HessenForst wären wir bei der Bekämpfung der ASP lange nicht so weit“, so Staatssekretär Ruhl.

Wirtschaftlichen Schaden von der Region abwenden

Schweinehalterinnen und Schweinehalter sind weiterhin aufgefordert, die hohen Biosicherheitsstandards einzuhalten und Verdachtsfälle unverzüglich zu melden. Bürgerinnen und Bürger können helfen, indem sie keine Speiseabfälle in der Natur entsorgen und verendete Wildschweine umgehend melden. In Sperrzone II ist Radfahren, Reiten, Fußgängerverkehr (bspw. Pilze sammeln, Geocaching) ausschließlich auf befestigten Waldwegen oder gekennzeichneten Rad-, Reit- und Wanderwegen gestattet. Hundehalterinnen und Hundehalter werden gebeten, in Sperrzone II die Leinenpflicht außerhalb geschlossener Ortschaften einzuhalten. Ziel ist es, alle Maßnahmen so minimal wie möglich zu halten und sie fortlaufend zu überprüfen.

Die Afrikanische Schweinepest verläuft für Haus- und Wildschweine nahezu immer tödlich. Für den Menschen ist sie ungefährlich. Ein Ausbruch in einem schweinehaltenden Betrieb hätte erhebliche Folgen, wie Ruhl betone: „Am Ende geht es darum, wirtschaftlichen Schaden von der Region abzuwenden. Dafür brauchen wir Besonnenheit und die Mithilfe aller Beteiligten.“