Hessische Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung

Frauen können beides – Digitalisierung und Handwerk

Erst die klassische Papierskizze von Hand, dann die präzise Planung und Steuerung der Maschinen via Computer. Im Handwerksbetrieb „Rabe Innenausbau“ in Simtshausen greifen analoge und digitale Werkzeuge ineinander. Wie vielfältig digitale Technologien im Handwerk eingesetzt werden können, darüber informierte sich Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus heute gemeinsam mit Frank Dittmar, Präsident der Handwerkskammer Kassel, bei einem Firmenbesuch. Auch das Thema Fachkräftemangel und der niedrige Frauenanteil im Handwerk kamen beim Rundgang durch den Betrieb und beim Gespräch mit Inhaberin Silke Rabe und ihrem Team zur Sprache. Um insbesondere Frauen für das Handwerk zu interessieren und gleichzeitig digitale Lösungen in der Branche bekannter zu machen, hat der Geschäftsbereich der Hessischen Digitalministerin gemeinsam mit den hessischen Handwerksorganisationen unter dem Dach des Hessischen Handwerkstags das Projekt „Frauen und Digitalisierung im Handwerk“ ins Leben gerufen.

„Wir wollen die Digitalisierung im Handwerk beschleunigen und müssen mehr Frauen für Handwerksberufe begeistern. Daher freue ich mich, dass ,Rabe Innenausbau‘ ein tolles Beispiel ist, wie beide Themenbereiche zu einer erfolgreichen Fortentwicklung eines Unternehmens beitragen können“, sagte Digitalministerin Sinemus. Die Innenarchitektin und Schreinerin Silke Rabe hat zusammen mit ihrem Mann Fritz Wolf 1995 die Leitung des elterlichen Betriebs übernommen und beständig weiterentwickelt und ausgebaut.

„Frauen im Handwerk sind für mich nicht nur eine Selbstverständlichkeit, sondern eine echte Bereicherung im Team. Deshalb sind Frauen seit vielen Jahren Teil unseres Unternehmens. Unser kreatives Handwerk für Frauen noch attraktiver zu machen, finde ich einen sehr guten Ansatz. Dabei kann die Digitalisierung in der Tat eine unterstützende Rolle spielen“, sagte Silke Rabe.

Herausforderung des Fachkräftemangels begegnen

„Es braucht in der gesamten Gesellschaft ein Umdenken, denn die Berufs- und Bildungsentscheidungen von Frauen sind ein zentraler Faktor, um der riesigen Herausforderung des Fachkräftemangels nicht nur im Handwerk begegnen zu können. Es ist selbstverständlich, dass Frauen die Digitalisierung und das Handwerk beherrschen – das ist aber oft noch nicht in der Gesellschaft angekommen“, unterstrich Sinemus. Sowohl bei der Suche nach weiblichen Nachwuchskräften als auch dem Nutzen der Digitalisierung müsse gemeinsam mit den unterschiedlichsten Akteuren Orientierungsarbeit geleistet werden. Bei der Digitalisierung habe die Corona-Pandemie zwar einen deutlichen Schub auch in den Handwerksbetrieben ausgelöst. „Aber je kleiner das Unternehmen, desto geringer meist der Digitalisierungsgrad“, bedauerte Sinemus und sieht vor allem hier verschenktes Potenzial zum Beispiel zur Gewinnung neuer Kunden und der Verbesserung betriebsinterner Abläufe. Die im Geschäftsbereich der Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung gestartete Initiative „Women go digital“ sei ein Beitrag, ebenso wie der „DigiCheck Kompetenzen“ oder die Seite www.wie-digital-bin-ich.de, auf der Anlaufstellen, Projekte und Angebote des Landes Hessen sowie weiterer Anbieter für den persönlichen Weg zur digitalen Kompetenzstärkung gebündelt sind. Um schon frühzeitig die notwendigen digitalen Kompetenzen zu erwerben, ist in diesem Schuljahr zudem an zwölf weiterführenden Schulen in Hessen in einem Pilotversuch das neue Unterrichtsfach „Digitale Welt“ gestartet. In diesem werden grundlegende Kompetenzen der Informatik mit der ökonomischen und ökologischen Bildung verbunden. Dies müsse in der Aus- und Weiterbildung fortgeführt werden, da sich die Anforderungen an digitale Kompetenzen beständig wandelten und weiterentwickelten, unterstrich die Ministerin.

„Die Digitalisierung eröffnet vielfältige Möglichkeiten für das Handwerk, Arbeitsprozesse zu vereinfachen, Arbeitsabläufe zu erleichtern und zu verschlanken sowie den Kunden ein umfassenderes Angebot zu machen“, sagte Kammerpräsident Frank Dittmar. „Deshalb setzen viele Betriebe auf die Digitalisierung und präsentieren sich so als moderne Arbeitgeber, die nicht nur für junge Menschen, sondern auch für Frauen attraktiv sind. Selbstverständlich muss sich diese Entwicklung auch in der Aus-, Fort- und Weiterbildung im Handwerk widerspiegeln. Allerdings haben unsere Betriebe in der Regel keine IT-Abteilung. Was sie deshalb auf dem Weg in die Digitalisierung brauchen, sind zum einen IT-Lösungen, die zu ihrer auf die individuellen Kundenwünsche ausgerichtete Fertigung passen und zum anderen eine gute Beratungsinfrastruktur. Deshalb beschäftigt die Kammer auch einen Digitalisierungsberater. Mit der Digitalisierung auch mehr Frauen für das Handwerk zu gewinnen, ist sicher ein wichtiger und richtiger Schritt, um dem Thema Fachkräftemangel zu begegnen.“

Hintergrund

Deutschlandweit lag 2021 der Frauenanteil im Handwerk bei 18,3 Prozent. Allerdings verteilt sich der Anteil in den Gewerken äußerst unterschiedlich. Während der kreative Bereich wie Kosmetik, Maßschneiderei, Konditorei, Gold- und Silberschmiede sowie Friseure sehr stark von Frauen dominiert ist, verhält es sich in den gewerblich-technischen Berufen genau umgekehrt. Bei Maurern und Betonbauern liegt der Frauenanteil beispielsweise bei 1,1 Prozent, bei Informationstechnikern bei 1,9 Prozent und bei Klempnern/Spenglern bei 2,1 Prozent.

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