Das Erziehungsrecht der Eltern und der staatliche Bildungs- und Erziehungsauftrag sind in der Schule einander gleichgeordnet – diese Grundaussage aus dem Jahr 2001 bleibt das Fundament. Die Wiesbadener Erklärung 2026 konkretisiert die gemeinsame Erziehungsaufgabe von Eltern und Schule im Sinne des Wohls der Kinder und Jugendlichen, so wie sie im Grundgesetz, der Hessischen Verfassung und dem Hessischen Schulgesetz angelegt ist, und bekräftigt die partnerschaftliche Zusammenarbeit von Eltern und Schule.
Bildungsminister Armin Schwarz: „Bildung gelingt dann am besten, wenn Lehrkräfte und Eltern an einem Strang ziehen. Wir wollen Schulen gemeinsam gestalten als Lern- und Lebensräume, in denen Kinder und Jugendliche aufblühen – durch Vertrauen, Dialog und die bewusste Verantwortungsteilung“, sagte er bei der Unterzeichnung an der Grundschule im Wiesbadener Stadtteil Bierstadt.
Kerninhalte der Erklärung
Mit der „Wiesbadener Erklärung“ sollen Lehrkräfte und Eltern ermutigt werden, sich stärker den Fragen des jeweiligen Erziehungsauftrages von Schule und Elternhaus zu widmen.
- Schulen sind weit mehr als Lernorte: Sie sind Lebens- und Schutzräume, in denen Kinder und Jugendliche Orientierung, Unterstützung und Gemeinschaft erfahren. Dieses Miteinander gelingt, wenn Eltern und Schule ihre jeweiligen Perspektiven einbringen und gemeinsam für verlässliche Strukturen sorgen.
- Zentrale Grundlage sind gemeinsame Werte, Demokratiebildung und Gesundheitsförderung. Schülerinnen und Schüler sollen lernen, Konflikte konstruktiv zu lösen, ihre mentale Gesundheit zu stärken und respektvoll miteinander umzugehen – Fähigkeiten, die Gewalt vorbeugen und demokratische Haltung fördern.
- Auch in der digitalen Welt übernehmen Eltern und Schule zentrale Verantwortung: beim Umgang mit sozialen Medien, Lernplattformen, Datenschutz und dem Einsatz von Technologien wie künstlicher Intelligenz.
- Die Erklärung 2026 stärkt zudem Partizipation und Zusammenarbeit: durch verlässliche Elternmitwirkung, klare Standards für Information und Austausch sowie vielfältige Unterstützungsangebote für Familien und Lehrkräfte.
Landeselternbeiratsvorsitzende Anne Zulauf: „Kinder und Jugendliche wachsen in einer Welt auf, die immer komplexer und widersprüchlicher wird. Orientierung entsteht nicht von allein. Bildung und Erziehung gelingen dort, wo Elternhaus und Schule Verantwortung teilen, einander zuhören und Vertrauen leben. Wo nicht nebeneinander gehandelt wird, sondern gemeinsam – damit Kinder Halt finden und ihren eigenen Weg gehen können.“
Hintergrund
Die Wiesbadener Erklärung wurde am 18. Dezember 2001 von der Hessischen Kultusministerin Karin Wolff und der damaligen LEB-Vorsitzenden Sibylle Goldacker unterzeichnet. Sie bildet die Grundlage für zahlreiche Initiativen zur Stärkung der gemeinsamen Erziehungsverantwortung von Schule und Elternhaus in Hessen und ist Teil des Gesamtsprachförderkonzeptes für Kinder und Jugendliche. Die aktualisierte Fassung 2026 wurde vom Hessischen Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen und dem Landeselternbeirat Hessen gemeinsam erarbeitet und am 9. Mai 2026 in Wiesbaden unterzeichnet.