Während in ihrer Heimat in Kiew der Schulbetrieb aufgrund der russischen Angriffe, durch Zerstörungen und Ausfälle von Strom und Heizung derzeit nicht mehr stattfinden kann, sind am Sonntag zwölf Jugendliche und drei Begleitpersonen im mittelhessischen Herborn angekommen. Die Schülerinnen und Schüler des Lyceum 241 in Kiew sind zu Gast bei ihrer Partnerschule, dem Gymnasium Johanneum Herborn. Eingeladen wurden sie von der Hessischen Landesregierung. Ziel des Aufenthalts ist es, den Jugendlichen aus der von russischen Angriffen schwer betroffenen ukrainischen Hauptstadt ein wenig Ablenkung vom belastenden Kriegsalltag zu ermöglichen. Gleichzeitig soll die Partnerschaft der beiden Schulen intensiviert werden.
Bildungsminister Armin Schwarz begrüßte die Schülerinnen und Schüler am Montag in Herborn und besuchte den gemeinsamen Sportunterricht. Er betonte: „Gerade in Zeiten, in denen der Krieg in ihrer Heimat so vieles überschattet, ist es ein starkes Zeichen, dass junge Menschen zusammenkommen, gemeinsam lernen, Sport treiben, diskutieren und Freundschaften knüpfen. Wir hoffen, dass wir mit unserer Einladung dafür sorgen können, dass die Jugendlichen hier etwas Normalität erfahren. Wichtig ist uns auch, die Partnerschaft mit der Ukraine weiter zu festigen und auszubauen. Aktuell besuchen fast 22.700 ukrainische Schülerinnen und Schüler hessische Schulen. Deren Aufnahme in unser Bildungssystem können wir ausdrücklich als großen Erfolg beschreiben – nicht zuletzt dank der 260 ukrainischen Lehrkräfte, die uns mittlerweile unterstützen.“
Auch der Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales und Entbürokratisierung in Hessen, Manfred Pentz, unterstützt die Initiative: „Unsere Unterstützung der Ukraine darf nicht nachlassen. Der Besuch bei uns in Hessen ist ein ganz konkretes Zeichen und ermöglicht den Jugendlichen eine Atempause in ihrem schwierigen Alltag. Das ist gelebte Solidarität bei uns in Hessen – im Herzen von Europa.“
Austauschprogramm mit Unterricht und Begegnungen
Im Laufe der Woche nehmen die Schülerinnen und Schüler am Unterricht teil und lernen die Schule kennen. Darüber hinaus wurde für die Gäste eine Reihe von Terminen organisiert. Am Dienstag treffen sie in Wiesbaden Europaminister Pentz, besuchen den Hessischen Landtag und werden von Landtagspräsidentin Astrid Wallmann empfangen. An den folgenden Tagen reisen die Jugendlichen dann unter anderem nach Wetzlar, Frankfurt und Gießen. Dort stehen gemeinsame Stadtführungen und Museumsbesuche auf dem Plan. Die Schulleitung des Gymnasiums Johanneum tauscht sich außerdem mit weiteren Schulen mit besonders vielen ukrainischen Schülerinnen und Schülern aus und berichtet über ihre Erfahrungen aus der Kooperation mit dem Lyceum 241.
Der Schulleiter des Gymnasiums Johanneum, Christian Betz, sagt: „Nach einer sehr spannenden und intensiven gemeinsamen Arbeit im Rahmen unserer Kooperation freuen wir uns sehr, jetzt einen echten persönlichen Kontakt zu knüpfen, der perspektivisch hoffentlich noch intensiviert werden kann. Ich wünsche mir sehr, dass unsere Gäste eine wundervolle und erlebnisreiche Zeit am Fuße des Westerwaldes verleben können.“
Die Kooperation der beiden Schulen kam im Rahmen eines OECD-Netzwerkes zustande, in dem das Gymnasium Johanneum als einzige deutsche Schule vertreten ist. Ziel des Netzwerks ist die Begleitung der ukrainischen Oberstufenreform.
Zahlen und Fakten:
- Fast 22.700 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine besuchen derzeit Schulen in Hessen.
- Insgesamt wurden seit Kriegsbeginn mehr als 30.000 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine unterrichtet.
- 260 ukrainische Lehrkräfte sind derzeit an Schulen im Land beschäftigt (zentrale Fächer: Mathematik, Physik, Informatik, Deutsch als Zweitsprache und Englisch).
- An 18 Schulstandorten in Hessen wird zudem spezielle Angebot mit Ukrainisch als zweiter Fremdsprache unterrichtet.