Im Jahr 2025 wurde in Hessen ein Anstieg der politisch motivierten Kriminalität (PMK) um
25,1 % auf insgesamt 5.556 Straftaten verzeichnet. Diese Entwicklung betrifft mehrere Phänomenbereiche, wobei insbesondere die Zunahme der linksextremen Straftaten um knapp 180 % besorgniserregend ist. Aber auch in anderen Bereichen gab es signifikante Veränderungen. Im Bereich PMK-rechts lag ebenfalls ein leichter Anstieg um 3,8 % auf 2.467 Straftaten vor.
Es gibt in Hessen also insgesamt weiter deutlich mehr rechts- als linksextreme Straftaten. Auch im Bereich PMK-religiöse Ideologie ist ein Anstieg der Fallzahlen um 32,1 % auf 103 Fälle zu verzeichnen. Hingegen sank in 2025 die PMK-ausländische Ideologie um 3,5 % (572 Fälle).
Die Zahl der linksextremen Gewaltdelikte in diesem Bereich stieg um 152,6 % von 19 auf 48 Fälle. Rechtsextreme Gewalttaten sind um 4,3 % von 70 auf 73 gestiegen.
Innenminister Roman Poseck blickt besorgt auf die Straftaten aus dem linksextremen Bereich: „Der Anstieg politisch motivierter Kriminalität ist ein Alarmsignal. Wenn Brandanschläge, Angriffe auf Mandatsträger und die Bedrohung jüdischer Bürger zunehmen, verschieben sich die Grenzen für das friedliche Zusammenleben. Wer politische Ziele mit Gewalt durchsetzen will, stellt sich außerhalb des demokratischen Konsenses. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich die Täter auf rechte, linke oder religiös-extremistische Ideologien berufen. Wir dürfen die verschiedenen Phänomenbereiche des Extremismus nicht gegeneinander ausspielen. Jede Form politisch motivierter Kriminalität ist ein Angriff auf den Rechtsstaat und ist zu verurteilen. Leider sind die Anstiege auch ein Spiegelbild der Polarisierung von Gesellschaft und politischem Diskurs. Extreme politische Lager stehen sich oft unversöhnlich und gewaltbereit gegenüber.
Wir fokussieren uns auch auf den Linksextremismus. Wir werden mit aller Härte des Rechtsstaats gegen die Angriffe von links auf unsere demokratischen Werte vorgehen. Anfang des Jahres haben wir das Demokratieförderprogramm um eine Fachstelle Linksextremismus Hessen erweitert. Aus meiner Sicht müssen wir auch zur Bekämpfung des Linksextremismus noch stärker in die Gesellschaft hineinwirken und vor allem ein Abdriften von jungen Menschen verhindern. Deshalb haben wir einen weiteren Förderaufruf für den Phänomenbereich Linksextremismus gestartet. Daneben erarbeiten wir aktuell weitere Strategien zur noch wirksameren repressiven Bekämpfung des Linksextremismus.
Klar ist aber auch, dass wir jede Form des Extremismus bekämpfen; egal, ob diese links, rechts oder religiös motiviert sind. Ich warne insbesondere davor, den Linksextremismus deshalb milder zu beurteilen, weil er gegen den Rechtsextremismus eintritt. Zum einen heiligt der Zweck nicht die Mittel. Zum anderen gibt es keinen besseren oder schlechteren Extremismus. Jede Form des Extremismus führt unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung in den Abgrund. Wer selbst Extremist ist, ist niemals ein glaubwürdiger Kämpfer gegen andere Formen des Extremismus.“
Straftaten gegen Amts- und Mandatsträger
Im Jahr 2025 ist die Zahl der Straftaten gegen Mandatsträger um 107,9 % auf 994 Fälle gestiegen und hat sich somit mehr als verdoppelt. Die meisten Straftaten waren Beleidigungen, üble Nachreden und Verleumdungen (74 %), aber auch Gewaltdelikte (10 Fälle). Dabei waren insgesamt 101 Straftaten zum Nachteil von Kommunalpolitikern.
„Die Angriffe auf Mandatsträger, insbesondere auf ehrenamtlich engagierte Kommunalpolitiker, sind ein Alarmzeichen für unsere Demokratie. Es ist absolut untragbar, dass Menschen, die sich für das Wohl ihrer Heimat engagieren, Opfer von Hass und Gewalt werden. Gerade vor dem Hintergrund der bevorstehenden Kommunalwahlen müssen wir diese Angriffe mit aller Entschiedenheit verurteilen und konsequent verfolgen. Wer gewalttätig gegen demokratisch gewählte Vertreter vorgeht, greift nicht nur Einzelne an, sondern unsere gesamte Gesellschaft. Wir werden alles tun, um diese Täter zur Rechenschaft zu ziehen und die Sicherheit unserer Mandatsträger zu gewährleisten“, so Roman Poseck.
Vergangene Woche hat das Innenministerium eine Sensibilisierungsveranstaltung für Kommunalpolitiker durchgeführt, um gerade mit Blick auf die Kommunalwahl zu beraten und die Präventionsangebote der Polizei vorzustellen.
Gewalt gegen Einsatzkräfte
Im Jahr 2025 wurden in Hessen insgesamt 5.507 Einsatzkräfte Opfer von Gewalt. Das ist ein neuer Höchststand. Im Jahr 2022 lag die Zahl noch bei 4.873 Opfern. Konkret wurden im vergangenen Jahr 5.303 Polizeivollzugsbeamte als Opfer von Gewalt registriert, was einem Anstieg von 246 Opfern
(+4,9 %) gegenüber dem Vorjahr entspricht. Auch die Anzahl der Opfer bei Rettungsdiensten ist von 168 auf 181 um 7,7 % gestiegen. Die Feuerwehr beklagte im Jahr 2025 23 Opfer, das sind acht mehr als im Vorjahr.
Der Minister zeigt sich beunruhigt über diese Entwicklung: „Angriffe auf Einsatzkräfte machen mich fassungslos. Sie sind absolut inakzeptabel und müssen auf das Schärfste verurteilt werden. Es ist unverständlich, warum Menschen, die täglich ihr Leben für uns riskieren, Ziel von Gewalt werden. Diese Frauen und Männer verdienen unsere volle Anerkennung und unseren Respekt. Wir müssen unsere Einsatzkräfte besser schützen.
Deshalb hat die Landesregierung bereits im Jahr 2024 reagiert und ein Respekt-Paket mit verschiedenen Maßnahmen geschnürt. Ich unterstütze auch ausdrücklich, dass die Bundesregierung ein Gesetz auf den Weg bringen will, um den Strafrahmen bei Übergriffen auf Einsatzkräfte zu verschärfen. Die Initiative greift Forderungen auf, die Hessen schon seit längerem vertritt, darunter der Vorschlag, das Mindeststrafmaß bei tätlichen Angriffen auf Einsatzkräfte von drei auf sechs Monate zu erhöhen. Wir werden auch in Zukunft alles tun, um unsere Einsatzkräfte zu schützen und die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.“
Antisemitische Straftaten
Die Zahl der antisemitischen Straftaten ist im Jahr 2025 um 4,8 % auf 374 Fälle gestiegen. Die meisten Delikte waren dabei Volksverhetzungen und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat das Land Hessen Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet. Das reformierte Polizeirecht erlaubt den Einsatz von Videoschutzanlagen vor religiösen Einrichtungen. Im Februar 2025 wurde eine Videoschutzanlage vor der Westendsynagoge in Frankfurt eingerichtet. Zudem ist der Schutz jüdischer Einrichtungen insbesondere nochmal nach dem Terrorakt der Hamas auf Israel erhöht worden.
„Es ist mehr als bedenklich, dass antisemitische Straftaten im vergangenen Jahr einen neuen Höchstwert erreicht haben. Persönlich beschämt es mich zutiefst, dass Jüdinnen und Juden über 80 Jahre nach der Schoa wieder in Angst leben müssen, auch in Hessen. Die Bekämpfung des Antisemitismus bleibt eine zentrale und dauerhafte Aufgabe unseres demokratischen Rechtsstaats. Sie erfordert die enge Zusammenarbeit aller staatlichen Ebenen und eine verlässliche Unterstützung durch eine wachsame und engagierte Zivilgesellschaft.
Jüdisches Leben bereichert unsere Gesellschaft in vielfältiger Weise. Deshalb hat der Schutz jüdischen Lebens höchste Priorität. Die schwarz-rote Landesregierung unternimmt alles, was möglich ist, um jüdische Bürger und ihre Einrichtungen zu schützen. Das ist angesichts der zunehmenden antisemitischen Vorfälle auch dringend geboten. Seit vielen Jahren stellen wir vor jeder Einrichtung, in der jüdisches Leben stattfindet, eine verstärkte polizeiliche Präsenz sicher. Die Landesregierung wird auch weiterhin alle verfügbaren Instrumente nutzen, um antisemitischen Entwicklungen entschlossen entgegenzutreten und den Schutz jüdischen Lebens in Hessen nachhaltig zu gewährleisten“, so Roman Poseck.
Anstieg der Fallzahlen bei häuslicher Gewalt
Im Jahr 2025 wurden in Hessen 13.189 Fälle von häuslicher Gewalt erfasst, was einem Anstieg von 11 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Den größten Anteil machen dabei Körperverletzungsdelikte mit 65,3 % aus.
„Häusliche Gewalt ist kein privates Problem, sondern ein schwerwiegendes Unrecht. Wer Frauen in den eigenen vier Wänden bedroht, greift ihre Freiheit und ihre Würde an. Genau deshalb ist der Kampf gegen häusliche Gewalt so wichtig. Mit unserem Frauensicherheitspaket setzen wir klare Zeichen: Im Hessischen Polizeigesetz wurde der Einsatz der Fußfessel durch eine Gesetzesänderung erheblich erweitert und die Dauer auf bis zu vier Monate verlängert – mit der Möglichkeit weiterer Verlängerungen. Zudem setzen wir auf den Ausbau des Schutzes im öffentlichen Raum durch den gezielten und erweiterten Einsatz von Videoschutzanlagen und verbesserten Beleuchtungskonzepten. Wir setzen auf ein Maßnahmenbündel, um Täter zu stoppen und Frauen wirksam zu schützen.
Der Anstieg der Fallzahlen bei häuslicher Gewalt ist besorgniserregend und zeigt, dass wir unsere Anstrengungen in diesem Bereich weiterführen müssen. Es ist aber auch wahrscheinlich, dass die Maßnahmen auch eine andere Sensibilität bei Betroffenen ausgelöst und damit das Hellfeld vergrößert haben. Insoweit ist die Entwicklung auch ein Zeichen dafür, dass unsere Maßnahmen greifen und Betroffene zunehmend den Mut finden, ihre Peiniger anzuzeigen. Wir werden weiterhin alles tun, um die Sicherheit der Betroffenen zu gewährleisten und die Dunkelziffer weiter zu reduzieren“, führt der Innenminister aus.
Anstieg der Fallzahlen bei gleichzeitiger Steigerung der Aufklärungsquote im Bereich der Gewaltkriminalität
Im Jahr 2025 sind die Fallzahlen im Bereich der Gewaltkriminalität insgesamt um 2,4 % auf 16.282 Fälle gestiegen. Erfreulicherweise konnte gleichzeitig die Aufklärungsquote um 2,6 % auf 79,1 % gesteigert werden. Diese positive Entwicklung zeigt, dass die hessischen Sicherheitsbehörden effektiv arbeiten und die meisten Straftaten aufgeklärt werden können. Ein besonders positiver Trend ist der Rückgang der Straftaten gegen das Leben um 10,8 % auf 338 Fälle und ein genereller Rückgang bei den Raubdelikten. Diese Entwicklung ist ein Indiz dafür, dass die polizeilichen Maßnahmen und die konsequente Strafverfolgung in diesem Bereich greifen. Bei den Körperverletzungsdelikten ist hingegen ein Anstieg der Fallzahlen um 5,3 % auf 40.237 Fälle zu verzeichnen. Den größten Anteil machen vorsätzliche leichte Körperverletzungen aus. Sie stellen mit 66,4 % etwa zwei Drittel aller Körperverletzungsdelikte. Diese Entwicklung zeigt, dass weitere Anstrengungen notwendig sind, um die Gewaltkriminalität in Hessen nachhaltig zu reduzieren.
Landespolizeipräsident Felix Paschek betont: „Die Entwicklung der Gewaltkriminalität zeigt ein differenziertes Bild. Neben dem leichten Anstieg der Gesamtfallzahlen sehen wir deutliche Erfolge, etwa den spürbaren Rückgang bei den Straftaten gegen das Leben sowie bei den Raubdelikten. Das bestätigt, dass unsere gezielten Maßnahmen wirken. Gleichzeitig bleibt der Anstieg der Körperverletzungsdelikte auffällig. Hier werden wir unsere präventiven und repressiven Maßnahmen weiter intensivieren, um die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger in Hessen nachhaltig zu stärken.“
Anstieg von Sexualdelikten
Im Jahr 2025 ist die Zahl der Sexualstraftaten in Hessen um 9 % auf 10.973 Fälle gestiegen. Mehr als acht von zehn Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (82,6 %) werden polizeilich aufgeklärt – ein ausgesprochen hoher Wert. Den größten Anteil daran bilden die Delikte der Verbreitung pornografischer Inhalte (Erzeugnisse) gemäß §§ 184 ff. StGB, deren Fallzahlen um 79 Fälle (+1,4 %) auf insgesamt 5.663 Fälle zunahmen. Besonders besorgniserregend ist der Anstieg der Vergewaltigungsdelikte um 20,3 % (+193 Fälle) auf insgesamt 1.143 Fälle. Diese Taten ereignen sich überwiegend außerhalb der Öffentlichkeit. Auffällig ist zudem, dass in rund 75 % der Fälle bereits eine Vorbeziehung zwischen Opfer und Tatverdächtigem bestand.
Sexualdelikte – Kinder als Opfer
Während Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung von Kinderpornographie im letzten Jahr um
6,2 % zurückgegangen ist, lässt sich für 2025 ein Anstieg bei sexuellen Missbrauchsdelikten von Kindern um 24,5 % auf 1.341 Fälle feststellen. Eine verstärkte Sensibilisierung für dieses Thema hat in den letzten Jahren zu einer gesteigerten Anzeigenbereitschaft geführt. Dabei konnten die Fokus-Dienststellen im letzten Jahr ihre Fahndungserfolge ausweiten. Insgesamt wurden im letzten Jahr mehr als 1600 Durchsuchungen durchgeführt. Dabei wurden mehr als 48 Haftbefehle vollstreckt, knapp 900 Beschuldigte erkennungsdienstlich behandelt und über 15.000 Datenträger sichergestellt.
Landespolizeipräsident Felix Paschek führt weiter aus: „Der Anstieg der Sexualstraftaten ist auch Ausdruck einer gestiegenen Sensibilisierung und einer höheren Anzeigenbereitschaft der Betroffenen. Hinzu kommt der Ausbau spezialisierter FOKUS-Dienststellen, die durch gezielte Ermittlungen weitere Missbrauchstaten aufdecken. Dies führt insgesamt zu einem Anstieg im Hellfeld und zeigt, dass mehr Taten angezeigt und verfolgt werden. Zugleich entstehen neue Tatgelegenheiten, etwa durch anonym nutzbare Dating-Portale, die in Einzelfällen für Straftaten missbraucht werden. Der deutliche Anstieg bei der Verbreitung pornografischer Inhalte steht maßgeblich im Zusammenhang mit erweiterten gesetzlichen Meldepflichten, auch im Rahmen des Digital Services Act der Europäischen Union. Wir werden weiterhin mit aller Konsequenz gegen jede Form des sexuellen Missbrauchs vorgehen und alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen – dafür benötigen wir dringend eine wirksame
IP-Datenspeicherung, um Täter konsequent zu verfolgen und Kinder bestmöglich zu schützen.“
Rauschgiftkriminalität geht zurück
Im Bereich der Rauschgiftkriminalität sanken die Fallzahlen um 5.204 Fälle (-30,2 %) auf 12.053 Fälle. Ursächlich ist wie bereits 2024 insbesondere die Legalisierung des Cannabis-Konsums ab dem 01.04.2024, welches sich im Berichtsjahr 2025 auf das gesamte Jahr auswirkte und nochmals einen weiteren Rückgang dieser Fälle mit sich bringt. Die allgemeinen Verstöße mit Kokain nahmen zum Vorjahr um 106 Fälle auf 2.406 Fälle (+4,6 %) zu. Die Aufklärungsquote ist mit 94,4 % nahezu identisch zum Vorjahr (94,3 %). Bei den allgemeinen Verstößen mit Crack kam es zu einer Fallabnahme um 35 Fälle von 578 auf 543 Fälle
(-6,1 %). Durch die abnehmende polizeiliche Kontrolltätigkeit im Zuge der Teillegalisierung von Cannabis bleiben unter Umständen strafbewehrte Sachverhalte, wie der Besitz von Kokain oder Crack, vermehrt unentdeckt.
Wohnungseinbruchsdiebstahl nimmt zu
Die Zahl der Wohnungseinbruchsdiebstähle in Hessen ist im Jahr 2025 um 15,5 % auf 6.777 Fälle gestiegen. Vor zehn Jahren lagen die Fälle noch bei 11.595; dem absoluten Höchststand. Innerhalb von zehn Jahren konnten die erfassten Fälle von Wohnungseinbruchsdiebstahl um 41,5 % reduziert werden. Rund 43 % der Fälle im Jahr 2025 sind im Versuchsstadium geblieben. Die Aufklärungsquote ist dagegen im letzten Jahr leicht um 1,2 % auf 15,2 % gestiegen. Da Einbrüche für die Opfer oft sehr belastend sind, bleibt die Bekämpfung dieses Deliktes im polizeilichen Fokus; durch die Stärkung der Polizeipräsenz in den betroffenen Gebieten, die enge Zusammenarbeit mit den Kommunen und die konsequente Strafverfolgung von Einbrechern. Zudem wird die Aufklärung über die Bedeutung von Schutzmaßnahmen in Haushalten verstärkt, um die Bürgerinnen und Bürger vor Einbrüchen zu schützen.
Landespolizeipräsident Felix Paschek erklärt: „Trotz des Anstiegs der Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr liegen diese weiterhin rund 42 % unter dem Stand des Jahres 2015. Wir behalten den Wohnungseinbruchdiebstahl aufmerksam im Blick und nutzen dafür moderne Technik, wie die WED-App und einen Polizeimessenger. Unser Ziel bleibt es, den Ermittlungsdruck konsequent aufrechtzuerhalten, Täterstrukturen wirksam zu bekämpfen, Serientaten frühzeitig zu erkennen und die Bevölkerung bestmöglich zu schützen und beim Eigenschutz professionell zu beraten.“
Organisierte Kriminalität in Hessen konstant
Die Organisierte Kriminalität in Hessen ist professionalisiert und international vernetzt, mit Schwerpunkten in Drogen- und Menschenhandel sowie Wirtschaftskriminalität. Besonders herausfordernd ist die Nutzung von Kryptochats durch kriminelle Gruppen, die ihre Aktivitäten damit verschleiern. Das Hessische Landeskriminalamt (HLKA) setzt auf spezialisierte Ermittlungsteams, internationale Zusammenarbeit und moderne Instrumente, um diese Strukturen zu durchbrechen. Seit einigen Jahren zeichnet sich mit "Violence as a Service" (VaaS) ein neues Kriminalitätsphänomen in Europa ab, das auch Deutschland und Hessen betrifft. VaaS zeichnet sich durch die Anwerbung von ausländischen Auftragstätern durch Hinterleute zur Begehung von Gewaltstraftaten aus. Dabei finden VaaS-Taten regelmäßig unter Einsatz von Schusswaffen oder improvisierten Spreng- und Brandvorrichtungen statt. Angesichts der dynamischen Lageentwicklung ist weiterhin von einer Zunahme VaaS-relevanter Sachverhalte auszugehen. Die bisherigen Maßnahmen zeigen Wirkung, erfordern jedoch eine kontinuierliche Anpassung, konsequente Umsetzung und enge Verzahnung von Analyse, Ermittlungen und internationaler Kooperation.
Cybercrime auf dem Vormarsch
2025 wurden im Deliktsbereich Cybercrime (im engeren Sinne) 13.207 Fälle erfasst. Das bedeutet einen Anstieg von 2.499 Fällen (+ 23,3 %) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die fortschreitende Digitalisierung und zunehmende Vernetzung beeinflussen nahezu alle Lebensbereiche unserer modernen Gesellschaft und führen zu einer Verschiebung analoger Straftaten in den digitalen Raum, was sich auch im Anstieg des Computerbetruges widerspiegelt. Die Aufklärungsquote verringerte sich von 38,4 % in 2024 auf 32 % im Jahr 2025 (- 6,4 %). Durch Straftaten im Bereich Cybercrime im engeren Sinne entstand ein Vermögensschaden von 16.852.436 Euro. Im Vorjahr waren es noch 13.660.282 Euro. Die zunehmende Verfügbarkeit von künstlicher Intelligenz und Deepfake-Technologien spielt in diesem Phänomenbereich eine zentrale Rolle. Täter nutzen KI-gestützte Tools, um E-Mails, Stimmen und Videos täuschend echt zu imitieren. Dadurch können sie beispielsweise Anweisungen von Führungskräften simulieren (sogenannter CEO-Fraud) oder über künstlich generierte Videokonferenzen eine falsche Identität vortäuschen. Auch die Generierung von Deepfake-Audios ist möglich, um Mitarbeitende zur Durchführung betrügerischer Transaktionen zu verleiten.
Die gestiegene Dynamik, Internationalität und Professionalisierung der Cybercrime im engeren Sinne erfordern einen ganzheitlichen Ansatz aus Prävention, Gefahrenabwehr und Strafverfolgung. Bei Cyberangriffen steht die Zentrale Ansprechstelle Cybercrime für die Wirtschaft (ZAC) im Hessischen Landeskriminalamt als erster Ansprechpartner für Wirtschaftsunternehmen, Kritische Infrastrukturen (KRITIS) sowie öffentliche und nichtöffentliche Stellen zur Verfügung. Die Mitarbeiter der ZAC nehmen im Ereignisfall Strafanzeigen auf, leiten Sofort- und Erstmaßnahmen ein und unterstützen das Krisenmanagement des betroffenen Unternehmens. Zudem bieten die Mitarbeitenden auf Anfrage Sensibilisierungsveranstaltungen für Institutionen an. Zudem steht das Hessen CyberCompetenceCenter (Hessen3C) Unternehmen, Kommunen und weiteren Institutionen in Fragen der Prävention zur Verfügung.
LKA-Präsident Daniel Muth stellt fest: „Wir denken Kriminalitätsbekämpfung neu und vernetzter. Die Schwere und Organisierte Kriminalität umfasst zahlreiche Kriminalitätsbereiche und untergräbt nicht nur unsere Rechtsordnung, sondern gefährdet auch die Sicherheit unserer Gesellschaft. Deshalb gehen wir gezielt und konsequent gegen diese Strukturen und die Verantwortlichen vor. Darüber hinaus ist Cybercrime eine stetig wachsende Herausforderung für die Sicherheitsbehörden im 21. Jahrhundert. Durch die Verlagerung der Straftaten ins Internet müssen wir unsere Fähigkeiten kontinuierlich anpassen und modernisieren, um die Täter aus der Anonymität zu holen. Die Präventionsangebote sind ein zentraler Baustein.“
Konsequente Aufklärung durch Aktionstage gegen Sozialkriminalität
Sozialleistungsbetrug bleibt ein zentrales Thema für die hessischen Sicherheitsbehörden. Im vergangenen Jahr wurden 642 Fälle des Sozialbetrugs und 417 Fälle der Veruntreuung von Arbeitsentgelt festgestellt. Durch Aktionstage gegen Sozialkriminalität finden gezielte Kontrollmaßnahmen in neuralgischen Orten statt.
Innenminister Roman Poseck erklärt: „Unser Sozialstaat ist kein Selbstbedienungsladen. Er ist die Leistung von Millionen Bürgern, die jeden Tag arbeiten, das Sozialsystem damit finanzieren und Verantwortung übernehmen. Wer dieses System bewusst betrügt, greift direkt in die Taschen genau dieser Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind.
Es kann nicht sein, dass ehrliche Beitragszahler immer stärker belastet werden, während sich einige wenige auf Kosten der Allgemeinheit bereichern. Wer Leistungen erschleicht, unter falschen Adressen kassiert oder organisierte Betrugsstrukturen aufzieht, stellt sich gegen die Solidarität in unserem Land. Der Rechtsstaat muss konsequent handeln. Wirksame Kontrollen in kurzen Abständen erhöhen den Druck auf die Betrüger. Ich habe die Bekämpfung der Sozialkriminalität daher zur Chefsache gemacht. Vergangene Woche habe ich bereits den 2. Aktionstag gegen Sozialkriminalität begleitet. Weitere Aktionstage in kurzen Abständen werden folgen. Ein starker Sozialstaat braucht klare Kante. Und genau die zeigen wir.“
Anmerkung:
Es ist zu berücksichtigen, dass es in Hessen mit der Umstellung der Bevölkerungsfortschreibung vom Zensus 2011 (6,37 Millionen Einwohner) auf den Zensus 2022 eine Korrektur der Einwohnerzahl um 2,6 % nach unten auf 6,21 Millionen Einwohner gab. Für das Jahr 2025 wurde die Häufigkeitszahl erstmals auf Basis des Zensus 2022 berechnet. Da die Bevölkerungszahlen auf Grundlage des Zensus 2022 erst im Laufe des Jahres 2024 zur Verfügung gestellt wurden, war eine frühere Nutzung dieser Daten nicht möglich. Um eine Vergleichbarkeit herzustellen, müssen somit die Häufigkeitszahlen der Vorjahre rückwirkend „umgerechnet“ werden. Auf dieser Grundlage zeigt sich ein Rückgang der Häufigkeitszahl von 2024 zu 2025 um 3,1 % (von 6.194 auf 6.002). Dies unterstreicht, dass die tatsächliche Entwicklung der Kriminalitätsbelastung in Hessen positiver ausfällt, als es das Nebeneinander der Vorjahreswerte vermuten lässt.