Raumfahrtsonde über der Erde

Raumfahrtaktivitäten

Der Bund, die EU und die ESA prägen die deutsche und auch die hessische Raumfahrtpolitik. Ihre enge Verzahnung und Zusammenarbeit ist entscheidend dafür, dass Synergien bestmöglich genutzt, Duplizierungen nationaler und europäischer Systeme vermieden und Potentiale gemeinsamer Systeme voll ausgeschöpft werden können.

Mit Wirkung zum 12. Mai 2021 wurde die Europäische GNSS Agentur GSA mit Sitz in Prag umgewandelt in die European Union Agency for the Space Programme, EUSPA. Kritisch zu verfolgen ist nun, wie sich die Gründung der EUSPA auf die bisherige Zusammenarbeit der EU – ESA und die zukünftige Rolle der ESA auswirken wird. Die Hessische Landesregierung und der Hessische Raumfahrtkoordinator werden die weitere Entwicklung begleiten.

Raumfahrtaktivitäten EU

Die Europäische Kommission hat durch zahlreiche Grün- und Weißbücher, durch Mitteilungen sowie durch verschiedene Rechtssetzungsakte die Weichen gestellt für die Entwicklung einer kohärenten Europäischen Raumfahrpolitik.

Zentrale strategische Ansätze hierbei sind, dass Europa seine Führungsposition innerhalb der Raumfahrt fördern, seinen Anteil an Raumfahrtmärkten erhöhen sowie die von der Raumfahrt gebotenen Vorteile und Chancen nutzen muss. Essentielle Voraussetzungen hierfür ist laut EU-Kommission ein unabhängiger Zugang der EU zum Weltraum. Dies umfasst die Notwendigkeit, die Nachfrage nach Trägerdiensten zu bündeln sowie einen kostengünstigen Zugang zum All, auch für kleine Satelliten, sowie in neuen Fertigungstechniken, zu schaffen.

Um dies zu gewährleisten, ist die enge Zusammenarbeit mit der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA unerlässlich.

Um die Wettbewerbs- und die Innovationsfähigkeit der EU insgesamt und der gesamten Wertschöpfungskette der Raumfahrtindustrie zu stärken, ist aus Sicht der EU-Kommission eine bessere Verknüpfung des Raumfahrtsektors mit anderen Politik- und Wirtschaftsbereichen erforderlich. Hierbei sollen auch KMU und Raumfahrt-Start-ups gefördert werden sowie der Wissens- und Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zielgerichtet verbessert werden.

Dabei sollen auch die neuen Möglichkeiten durch „New Space“ mit einbezogen werden.

Im April 2021 verabschiedeten der Rat und das Europäische Parlament eine Verordnung zur Aufstellung des neuen EU-Weltraumprogramms für die Jahre 2021 bis 2027. Das Programm trat rückwirkend am 1.Januar 2021 in Kraft.

Es wird Folgendes sicherstellen:

  • hochwertige, aktuelle und sichere Weltraumdaten und ‑dienste
  • größerer sozioökonomischer Nutzen infolge der Verwendung dieser Daten und Dienste, die auf ein stärkeres Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen in der EU abzielen
  • mehr Sicherheit und Autonomie der EU
  • eine wichtigere Rolle der Union als führender Interessenträger in der Weltraumwirtschaft

Mit der Verordnung werden der bestehende Rechtsrahmen und das Governance-System der EU vereinfacht und der Sicherheitsrahmen vereinheitlicht. Sie verbessert und vereint bestehende EU-Programme wie Copernicus, Galileo und EGNOS unter einem Dach.

Anhand des Programms werden auch neue Sicherheitskomponenten eingeführt, wie das SSA-Programm (Weltraumlageerfassung) oder die neue Initiative GOVSATCOM (staatliche Satellitenkommunikation), um weltraumbezogene Gefahrenquellen zu überwachen und den nationalen Behörden Zugang zu sicherer Satellitenkommunikation zu verschaffen.

Eine wichtige Rolle wird auch die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Ansatzes zum „space traffic management“ spielen, einschließlich eines regulatorischen Rahmens – auf Sicht Hessens ein ebenso zentrales Thema wie SSA.

  • Copernicus: das fortschrittlichste Erdbeobachtungssystem der Welt
  • Galileo: das eigene globale Satellitennavigationssystem der EU, das hochpräzise globale Ortungsdaten liefert
  • EGNOS: das System, das Nutzern in ganz Europa sicherheitskritische Dienste für die Navigation an Land sowie in der Luft- und der Seefahrt bietet

Für das neue Weltraumprogramm der EU ist eine Mittelausstattung von 14,8 Mrd. Euro vorgesehen. Dazu kommen noch rund 1,75 Mrd. Euro für Weltraumforschung aus dem Budget für Horizont Europa. Zusätzlich dient auch das Finanzinstrument InvestEU der Finanzierung von Investitionen in Weltraumtechnologie.